Norbert C. Kaser ist zu
seiner Zeit oft verlacht und verkannt worden. Heute sind wir froh,
dass die Qualität
seines Werkes einem immer breiteren Publikum bekannt wird. Und auch,
dass wir mittlerweile ein KaserArchiv einrichten konnten.
Diese große Kaser-Oper ist ein wichtiges Ereignis für die Gemeinde
Bruneck.
Christian Tschurtschenthaler, Bürgermeister
Norbert C. Kaser war seiner Zeit voraus, ein kritischer
Geist, der es den Menschen um sich herum nicht
immer leicht gemacht hat. Die Verwahrung des Kaser-Nachlasses
einschließlich der Akten von Hans
Haider in der neuen Stadt- und Universitätsbibliothek ist Ehre und
Verpflichtung. Ich wünsche mir, dass
sein kreativer, kritischer Geist im Kulturleben unserer Stadt – wie
im vorliegenden Projekt – nachhaltig
wirkt.
Brigitte Pezzei Valentin, Stadträtin
N. C. Kaser war verliebt in das Leben, er hätte am liebsten immer „Kalinka,
Kalinka, Kalinka“ gesungen und wie ein Kosake Luftsprünge getanzt.
Norbert wusste, dass er ein Dichter war, aber er bezahlte, indem er
seine Einsamkeit zu Tode trank, einen viel zu hohen Preis. In seinen
Augen freilich war dieser Preis wohl gerechtfertigt. Er wollte
leben, das hieß für ihn: Schreibenkönnen.
Dafür war er bereit, alles zu geben.
Joseph Zoderer, Schriftsteller
Kaser: Der bedeutendste Dichter Südtirols seit Wolkenstein, zu
Lebzeiten sträflich ignoriert, angefeindet und unterschätzt, nun
schon wieder in Gefahr, vergessen zu werden; jedes Projekt, das ihn
in Erinnerung zurückruft, ist sehr zu begrüßen, daher danke,
Stadttheater Bruneck.
Felix Mitterer, Schriftsteller
Bei der Beerdigung von Norbert fasste ich den Entschluss, nach
Südtirol zurückzukehren.
Ein Toter war genug, es war Zeit etwas zu tun.
Alexander Langer, Politiker +
N. C. Kaser wurde Dichter und Schriftsteller allem zum Trotz:
inklusive der „Einfallslosigkeit“ seiner Heimat.
Ivo Barnabo Micheli, Filmregisseur +
Ich selbst bin 20 Jahre lang Volksschullehrer gewesen, jetzt, fast
15 Jahre danach, spüre ich eine sanfte
Anwandlung, wieder in der Schule sein zu mögen, aber nur, um Kasers
Gedichte und Geschichten mit
Kindern zu lesen.
Ludwig Harig, Schriftsteller, Literaturkritiker
Wenn es geschneit hat, bin
ich zu trakl nach mühlau hinauf, und wenn es warm wird, geh ich zum
kaser, über die
rienz. So wurde trakl mein winterdichter; und mein sommerdichter
aber wird der eNCe.
Josef Oberhollenzer, Schriftsteller
Seine Verse und Prosastücke verbinden Lakonie mit lyrischer
Eindringlichkeit und zeigen einen
plebejischen Gestus, wie er in der deutschsprachigen Belletristik
der Gegenwart ohne Beispiel ist.
Rolf Schneider, Literaturkritiker
Gekommen sind wir aus Armut und Enge. Die Enge hat er gesprengt, mit
Brandreden – und Texten, die Anschluss gesucht und gefunden haben,
Anschluss an die Welt. Die Armut hat er weiterhin in Kauf genommen –
dafür.
Waltraud Mittich, Schriftstellerin
… Sprache und Melodie, Melodie und Rhythmus, Rhythmus und Bewegung,
Bewegung und Spiel, ja Spiel mit Sprache, Musik, Bewegung, mit
Instrumenten und mit Stimme, Spiel als Ausdruck dessen, was uns
bewegt und was wir bewegen wollen.
Das ist der Beitrag der Musikschule Bruneck zum Jubiläum mit dem
Zirkusstück „Circulus vitiosus“. Lassen Sie sich darauf ein!
Dr. Irene Vieider, Landesmusikschuldirektorin Bozen
Kasers literarische Arbeit mit ‚Kindern' in Form von Kindergedichten
(den scherzi etwa), den Lesetexten
für die Volksschule, Kindern als Textmotiven drückt eine starke
Sympathie aus für das Undisziplinierte.
Ein Zug, der sich widerborstig auch an einigen seiner
Schreibtechniken zeigt, den Stilisierungen des Schriftbildes etwa
(der Umlautauflösung, dem Verzicht auf Trennregeln auch beim
Briefeschreiben, der konsequenten Kleinschreibung auch des Namens)
sowie an biografischen Verhaltensmustern.
Als Schüler (der wegen des Betragens an der Matura scheitert), als
Novize (der das Regelwerk des Klosters nicht akzeptiert), als Lehrer
(der das Klassenbuch nicht ausfüllt) und als Patient der Psychiatrie
(der die ärztlich-klinischen AnOrdnungen nicht schätzt) geriet er
mit jenen disziplinierenden Institutionen in Konflikt, die, wie
Michel Foucault gezeigt hat, „die Kontrolle der Körpertätigkeiten“
ermöglichen.
Kasers Kindertexte sind denn auch nicht belehrend, sondern spielen
ironisch hintergründig, manchmal abgründig mit den erwachsenen
Belehrungen, sympathisieren mit frechen Tugenden: „das schneuztuch
verrotzt/unterm kissen keiner/ kann wissen was/ geschieht“.
Benedikt Sauer, Mithg. von Kasers Werken und Biograf
Ich geh' in seine Lyrik hinein, ganz frei, und lass es blühen. Ich
habe Gedichte von ihm genommen, zum Beispiel den „stegener markt“,
wo er sagt: es gäbe dort nichts
mehr als „massenhaft massakrierte huehner“, die „dem dorfe stegen“
zuwandern, „plaerren kannt' i!“ –
das ist sein letzter Satz.
Ich glaub', 30 Jahre nach seinem Tod können wir sagen: Wir können
doch auch gaukeln! Wir müssen doch gar nicht warten, bis die in
Stegen drüben uns die Gaukler bringen.
Anton Prestele, Komponist und Regisseur